Russland warnt vor Kollaps globaler Öl- und Gasmärkte bei schärferen Sanktionen

Berlin (Reuters) – Russland warnt den Westen vor einem Öl- und Gas-Boykott als Reaktion auf den Krieg in der Ukraine.

Die weltweiten Öl- und Gasmärkte würden zusammenbrechen, sollte es auch im Energiebereich zu umfangreichen Sanktionen gegen Russland kommen, sagte Vize-Ministerpräsident Alexander Nowak am Mittwoch. “Russland ist der größte Anbieter.” Ohne russische Lieferungen würde der Markt natürlich kollabieren. Im Ölbereich gebe es derzeit einen Engpass auf den weltweiten Märkten von etwa einer Million Fässer pro Tag. Europa drohten Engpässe bei Diesel, hier seien die Vorräte auf dem niedrigsten Stand seit 2008.

Die EU erwägt weitere Sanktionen gegen Russland nach der Invasion in die Ukraine. Die Außenminister hatten dazu zuletzt aber keinen Konsens gefunden, am Donnerstag und Freitag tagen die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Länder. Die USA und Großbritannien, die weniger stark abhängig sind von Lieferungen aus Russland, haben auch im Ölbereich schon Maßnahmen angekündigt.

Der deutsche Industrieverband BDI warnte vor übereilten Maßnahmen mit unkalkulierbaren Konsequenzen. “Die EU ist nicht auf ein kurzfristiges, umfassendes Energie-Embargo vorbereitet”, so BDI-Präsident Siegfried Russwurm. “Sie würde damit ihre Geschlossenheit und Handlungsfähigkeit wirtschaftlich und politisch aufs Spiel setzen.”

Kanzler Olaf Scholz (SPD) bekräftigte im Bundestag, ein sofortiger Stopp der Energieimporte aus Russland sei nicht möglich, weil ansonsten eine Rezession drohe. “Hunderttausende Arbeitsplätze wären in Gefahr. Ganze Industriezweige stünden auf der Kippe.” Sanktionen dürften die EU-Staaten nicht härter treffen als Russland. Man werde diese Abhängigkeit von russischen Importen aber “so schnell wie nur irgendwie möglich” beenden.

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