Selenskyj fordert Waffen für Mariupol – Warten auf Großangriff im Osten

– von Maria Starkova

Lwiw (Reuters) – Im eingekesselten Mariupol werden die Aussichten der ukrainischen Verteidiger immer schlechter.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte mehr Waffenlieferungen des Westens, damit der strategisch wichtige Hafen gehalten werden kann. “Leider bekommen wir nicht so viele, wie wir brauchen, um die Blockade von Mariupol aufzuheben”, sagte er in der Nacht zum Dienstag in einer Fernsehansprache. Nach Medienberichten droht den ukrainischen Soldaten und Milizen die Munition auszugehen. Auch den westlichen Verbündeten ist der Druck bewusst. Außenminister Annalena Baerbock hatte am Montag gesagt, dass die Ukraine schnell schwere Waffen benötige.

Der britische Militärgeheimdienst bekräftigte, dass er mit intensiven Kämpfen im Osten der Ukraine in den kommenden zwei bis drei Wochen rechne. Russland konzentriere seine Angriffe auf ukrainische Stellungen bei Donezk und Luhansk, teilte das Verteidigungsministerium in London per Twitter mit. Um die Städte Cherson und Mykolajiw werde es weitere Kämpfe geben. Die russischen Truppen setzten ihren Abzug aus Belarus fort, um im Osten der Ukraine eingesetzt zu werden. Der ukrainische Generalstab sprach davon, dass russische Streitkräfte versuchten, die Stadt Popasna westlich der Stadt Luhansk zu erobern.

Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu hatte als Hauptziel der russischen Invasion die Eroberung des rohstoffreichen Donbass-Gebiets im Osten der Ukraine genannt. Auch Österreichs Kanzler Karl Nehammer hatte nach einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Montag gesagt, die Ukraine müsse sich auf einen massiven Angriff vorbereiten.

Russland war am 24. Februar mit Truppen in das Nachbarland einmarschiert. Westliche Staaten und die Ukraine bezeichnen die russische Invasion als nicht provozierten Angriffskrieg. Russland spricht dagegen von einer Spezialoperation. Mehr als vier Millionen Menschen sind inzwischen ins Ausland geflohen. Zehntausende Menschen wurden getötet oder verletzt. Städte wurden in Schutt und Asche gelegt, ein Viertel der ukrainischen Bevölkerung wurde obdachlos.

ERNEUTE FORDERUNG NACH ÖLSANKTIONEN

Selenskyj fordert die westlichen Länder erneut auf, ihre Sanktionen zu verschärfen. Sie müssten Russland so hart treffen, dass selbst das russische Gerede über den Einsatz von Massenvernichtungswaffen verhindert werde. “Ein Öl-Embargo gegen Russland ist ein Muss. Jedes neue Sanktionspaket, das nicht Öl einschließt, wird in Moskau mit einem Lächeln aufgenommen werden.”

Die EU-Außenminister hatten am Montag über ein sechstes Sanktionspaket gegen Russland beraten, das Thema weiterer Energiesanktionen aber ausgeklammert. US-Präsident Joe Biden hatte am Montag in einem Gespräch mit Indiens Ministerpräsident Narendra Modi versucht, diesen davon zu überzeugen, dass Indien weniger russisches Öl kaufen sollte. Indien hat seine Ölimporte aus Russland seit Kriegsbeginn deutlich erhöht, weil Russland dem Land einen starken Rabatt gewährt.

Der russische Präsident und der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko wollen am Dienstag in der russischen Amur-Region zusammentreffen. Dabei solle es um die Situation in der Ukraine und die westlichen Sanktionen gehen, berichteten die staatlichen Nachrichtenagenturen in Russland und in Belarus. Lukaschenko besteht darauf, dass Belarus mit in die Verhandlungen zur Lösung des Konflikts in der Ukraine einbezogen werden muss. Russland hat seinen Verbündeten Belarus als Schutzgarant der Ukraine vorgeschlagen.

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