Nach Todesurteil – Großbritannien verhandelt über Freilassung Kämpfer

London (Reuters) – Die britische Regierung versucht, das im russisch kontrollierten Osten der Ukraine gegen zwei britische Kämpfer verkündete Todesurteil abzuwenden.

Außenministerin Liz Truss habe am Freitag mit ihrem ukrainischen Amtskollegen über die beiden Männer gesprochen, sagte ein Regierungssprecher. Die Zugehörigkeit zur ukrainischen Armee sollte ihnen nach internationalem Recht Schutz bieten. Man wolle so schell wie möglich ihre Freilassung erreichen. Neben den Briten wurde auch ein Marokkaner am Donnerstag zum Tode verurteilt. Die marokkanischen Behörden haben sich bislang nicht zu dem Fall geäußert. Das deutsche Außenministerium wertete die Todesurteile in der nur von Russland anerkannten Volksrepublik Donezk als erschütternd und klare Missachtung des Völkerrechts.

Die britischen Staatsbürger Aiden Aslin und Shaun Pinner wurden im April in Mariupol gefangen genommen. Der Marokkaner Brahim Saadoun hatte sich im März während der Kämpfe in einer kleinen Stadt zwischen Mariupol und der Regionalhauptstadt Donezk ergeben. Die drei Männer wurden während dem Gerichtsverfahren in einem vergitterten Käfig vorgeführt. Der Prozess fand weitgehend hinter verschlossenen Türen statt, nur wenige Videoaufnahmen wurden von russischen Nachrichtenagenturen veröffentlicht.

“Die von der Staatsanwaltschaft vorgelegten Beweise haben es dem Gericht ermöglicht, einen Schuldspruch zu fällen”, sagte Richter Alexander Nikulin vor Journalisten. In einem Video der russischen Nachrichtenagentur Ria-Novosti hatten sich die drei Angeklagten schuldig bekannt. Diese Geständnisse hätten das Urteil bekräftigt, sagte Nikulin. Die Beklagten hätten zugegeben, Söldner zu sein. Außerdem hätten sie versucht, die verfassungsmäßige Ordnung der Republik Donezk zu zerstören, berichtete die Nachrichtenagentur Interfax.

Aslins Familie erklärte, er und Pinner seien “keine Söldner und waren es auch nie”. Die beiden lebten seit 2018 in der Ukraine und sollten daher “wie alle anderen Kriegsgefangenen mit Respekt behandelt werden”. Nach Angaben eines UN-Beamten könnte der Prozess als Kriegsverbrechen gewertet werden.

Die russischen Behörden sehen nach eigenen Angaben keine Verantwortung für den Fall. Diese Prozesse fänden auf der Grundlage der Gesetzgebung der “Volksrepublik Donezk” statt, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow. Aus Sicht Großbritanniens ist die Region Teil der Ukraine. Die Briten haben die örtlichen Behörden bislang nicht öffentlich kontaktiert. Nach Einschätzungen der Ukraine will Russland die Kriegsgefangenen nutzen, um den Druck auf den Westen zu erhöhen.

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