Bundesbank auch 2023 ohne Gewinn – “Leitzinsanhebungen schlagen voll durch”

Frankfurt/Berlin (Reuters) – Als Folge der aggressiven Zinserhöhungen der EZB im Kampf gegen die Inflation hat die Bundesbank im vorigen Jahr keinen Gewinn erzielt.

“2023 schlagen die Leitzinsanhebungen voll durch”, sagte der Präsident der deutschen Notenbank, Joachim Nagel, am Freitag vor der Presse und signalisierte für das laufende Jahr sogar rote Zahlen. Zwar wies die Bundesbank wieder ein ausgeglichenes Ergebnis aus. Das gelang ihr aber nur, weil sie ihre Risikovorsorge vollständig auflöste und ihre Rücklagen verringerte. Die Ausschüttung an den Bund fällt damit aus, wie bereits in den Jahren zuvor. 2024 droht nun ein Verlust: “Wir gehen davon aus, dass die Belastungen für das laufende Jahr erneut erheblich sein werden. Sie dürften die verbliebenen geringen Rücklagen übersteigen.”

In diesem Fall werde die Bundesbank einen Verlustvortrag ausweisen und diesen durch künftige Gewinne wieder abtragen. “Wir erwarten, längere Zeit keine Gewinne ausschütten zu können”, bekräftigte Nagel. Der Jahresabschluss zeige aber: “Die Bilanz der Bundesbank ist solide.” Sie könne die Belastungen tragen, da sie beträchtliche Vermögenswerte besitze. Diese seien erheblich größer als ihre Verpflichtungen. So beliefen sich etwa die Bewertungsreserven auf fast 200 Milliarden Euro. Deshalb könne die Bundesbank auch bei einem Verlustvortrag ihre Aufgaben uneingeschränkt erfüllen – nicht zuletzt in der Geldpolitik.

NIEDRIGE RENDITEN BEI ANLEIHEN

Die Frage einer Rekapitalisierung stelle sich überhaupt nicht: “Dies ist kein Szenario, das ich mir vorstellen mag, auch nicht in meinen dunkelsten Träumen”, sagte Nagel. Die Bundesbank sei keine Geschäftsbank: “Eine Zentralbank, eine Notenbank, ist immer zahlungsfähig in eigener Währung.” Er verwies zudem darauf, dass die Bundesbank in den 1970er Jahren Verluste eingefahren habe: “Wenn man sich dort die Größenordnung anschaut, dann waren damals die Relationen deutlich ausgeprägter als das, was wir jetzt zu verkünden haben.”

In den 1970er Jahren hatte die Bundesbank sieben Jahre lang Verluste geschrieben. Im vergangenen Jahr lag der Nettozinsertrag, der größte Posten in der Gewinn- und Verlustrechnung, mit einem Minus von 13,9 Milliarden Euro erstmals im negativen Bereich. Unter dem Strich entstand ein Fehlbetrag von 21,6 Milliarden Euro, den die Notenbank mit ihren Finanzpuffern ausglich. Die Rückstellungen von 19,2 Milliarden Euro wurden komplett aufgelöst, die Rücklagen schrumpften auf 0,7 Milliarden Euro. Laut Nagel dürfte der Fehlbetrag von 21,6 Milliarden Euro mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit der Höhepunkt der Verluste gewesen sein.

Die Währungshüter der Euro-Zone hatten ab 2015 billionenschwere Programme zum Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen aufgelegt. Diese dienten zunächst zur Unterstützung der Konjunktur, 2020 kam dann noch ein weiteres massives Kaufprogramm hinzu, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie abzufedern. Die hohen Anleihenbestände werfen derzeit aber nur magere Zinsen ab. Auf der anderen Seite müssen die Bundesbank und die anderen Euro-Notenbanken im Zuge der Zinswende den Geschäftsbanken kräftig Zinsen zahlen für deren Einlagen bei der Notenbank. Denn der Einlagensatz liegt nach einer Serie von Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank inzwischen bei 4,00 Prozent – das höchste Niveau seit Gründung der Währungsunion.

(Bericht von Sabine Wollrab und Reinhard Becker, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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