Münchener Rück will trotz Waldbränden auf Rekordkurs bleiben

(neu: Vorstand in Pressekonferenz, Kursreaktion)

– von Alexander Hübner

München (Reuters) – Die Milliardenschäden aus den Waldbränden in Los Angeles bringen die Münchener Rück 2025 nicht von ihrem Rekordkurs ab.

Rund 1,2 Milliarden Euro muss der weltgrößte Rückversicherer für die Wildfeuer zahlen, die sich im Januar durch mehrere Vororte der kalifornischen Metropole gefressen hatten. Insgesamt dürften sie Versicherer und Rückversicherer 35 bis 40 Milliarden Dollar kosten. “Das Jahr ist noch lang. Dieses Ereignis passt locker in unser Großschadenbudget”, sagte Finanzvorstand Christoph Jurecka am Mittwoch in München. Abschrecken lasse man sich von den verheerenden Waldbränden nicht: “Wir würden auch in der nächsten Erneuerungsrunde Waldbrände zeichnen – wenn die Preise stimmen”, sagte Vorstandschef Joachim Wenning. An dem Ziel, den Gewinn in diesem Jahr auf sechs Milliarden Euro zu schrauben, ändere der Milliardenschaden vorerst nichts.

Rückversicherer sichern die Erstversicherer gegen Großschäden ab, indem sie entweder einen prozentualen Anteil daran oder alle Schäden oberhalb einer bestimmten Schwelle übernehmen. Der kleinere Rivale Hannover Rück hatte seinen Schaden aus den Waldbränden in Los Angeles auf 500 bis 700 Millionen Euro taxiert.

Die Münchener Rück geht davon aus, dass die Brände sogar positive Effekte auf die Preise für Katastrophen-Deckungen haben könnten. Bei den Verhandlungen mit den Erstversicherern, in denen es zum Jahreswechsel um zwei Drittel ihrer Verträge in der Schaden-Rückversicherung ging, hatte sie mit 0,6 Prozent leichte Abstriche machen müssen und deshalb mit 15,6 Milliarden Euro 2,4 Prozent weniger Geschäft gezeichnet. Auch andere Rückversicherer hatten über ein vorläufiges Ende der jahrelangen Preiserhöhungen berichtet. Wenning sprach von einem “sehr respektablen Ergebnis” angesichts des zunehmenden Marktdrucks. “Etwas enttäuschend” fand dagegen KBW-Analyst Darius Satkauskas die Erneuerung. Auch für die folgenden Erneuerungsrunden im April und Juli hofft Wenning wenigstens auf stabile Preise.

Im vergangenen Jahr schnellte der Nettogewinn der Nummer eins der Branche um 23 Prozent auf den Rekordwert von 5,67 Milliarden Euro. Vorstandschef Wenning hatte zuletzt mehr als fünf Milliarden angekündigt. Zu den Zuwächsen trugen auch die Kapitalanlagen bei, die angesichts steigender Zinsen wieder mehr Rendite abwerfen. 3,1 Prozent Rendite standen am Ende zu Buche, mehr als die angepeilten 2,8 Prozent, obwohl die Münchener Rück Verluste realisierte, um höher verzinste Wertpapiere zu kaufen. Der Versicherungsumsatz stieg 2024 um fünf Prozent auf 80,8 Milliarden Euro. Für Großschäden musste sie 3,8 (Vorjahr: 3,3) Milliarden Euro ausgeben. Die größten Posten waren die Hurrikane “Helene” und “Milton”, die die Münchener Rück zusammen fast eine Milliarde Euro kosteten.

“WOLLEN NICHT AUF KAPITAL SITZENBLEIBEN”

Einen Großteil des Gewinns will der Vorstand an die Aktionäre weiterreichen – insgesamt 4,6 Milliarden Euro. “Wir wollen nicht auf überschüssigem Kapital sitzenbleiben”, sagte Wenning. Die Solvenzquote lag zum Jahresende mit 287 Prozent weit über dem Zielkorridor. Die Dividende wird – deutlich stärker als von Analysten erwartet – um fünf auf 20 Euro je Aktie erhöht. Zudem will der Konzern eigene Aktien für zwei Milliarden Euro zurückkaufen; eine halbe Milliarde mehr als im vergangenen Jahr. Das trieb die im deutschen Leitindex Dax notierte Münchener-Rück-Aktie um bis zu 5,6 Prozent auf ein Rekordhoch von 556,20 Euro.

In den vergangenen fünf Jahren hat die Münchener Rück ihren Gewinn mehr als verdoppelt. “Das Ertragsniveau von Munich Re hat sich im Rahmen unseres Fünf-Jahres-Strategieprogramms ‘Ambition 2025’, das wir in diesem Jahr abschließen, sehr deutlich und nachhaltig verbessert”, bilanzierte Wenning. Zurzeit arbeite man an der “Ambition 2030”, Ergebnisse sollen Ende des Jahres vorgestellt werden.

(Bericht von Alexander Hübner, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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