Rom (Reuters) – Italien ebnet nach 40 Jahren den Weg für eine Rückkehr zur Atomkraft.
Die Regierung unter der rechtsgerichteten Ministerpräsidentin Giorgia Meloni beschloss am Freitag einen Gesetzentwurf, auf den zahlreiche Verordnungen für Detailregelungen zum Bau neuer Atomanlagen folgen sollen. Dieser Prozess soll 2027 abgeschlossen sein. “Die Regierung hat eine weitere wichtige Maßnahme für saubere, sichere und billige Energie gebilligt, mit der Energie-Sicherheit und strategische Unabhängigkeit gesichert werden”, sagte Meloni in einer Video-Botschaft nach einer Kabinettssitzung. Italien hatte sich 1987 in einer Volksabstimmung gegen die weitere Nutzung der Atomkraft ausgesprochen. Das letzte AKW wurde 1990 stillgelegt.
Italien setzt nun wie andere Staaten auf modulare Klein-Reaktoren, sogenannte Advanced Modular Reactors (AMR). Mit einem Anteil der Atomkraft von elf Prozent im Energie-Mix könne man so den Weg zur Klimaneutralität bis 2050 um 17 Milliarden Euro verbilligen. Nach den Regierungsplänen könnte der Atom-Anteil später bis auf 22 Prozent wachsen.
Auch nach dem Atomausstieg hat Italien technische Expertise in der Nukleartechnik behalten. Der staatlich kontrollierte Versorger Enel betreibt AKW in Spanien, ENI investiert in den USA in die Entwicklung eines neuen Reaktortyps. Italien befindet sich nach eigenen Angaben in Gesprächen mit französischen und US-Firmen, um eine Gesellschaft zu schmieden, die den Atom-Einstieg in Italien umsetzen kann.
(Bericht von Angelo Amante, geschrieben von Markus Wacket, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)