Düsseldorf (Reuters) – Der US-Hedgefonds Elliott hat den Energiekonzern RWE ins Visier genommen.
Der von Investor-Legende Paul Singer gegründete und weltweit aktive Anleger teilte am Montag mit, eine Beteiligung von fast fünf Prozent am größten deutschen Stromerzeuger eingesammelt zu haben. Elliott begrüßte die Entscheidung von RWE, wegen der unsicheren Konjunktur und geopolitischen Lage die Investitionen im Zeitraum von 2025 bis 2030 um zehn Milliarden Euro zu kürzen. Darüber hinaus müsse aber das laufende Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 1,5 Milliarden Euro deutlich ausgeweitet werden. Elliott werde seinen konstruktiven Dialog mit dem RWE-Management unter Vorstandschef Markus Krebber fortsetzen.
An der Börse legte die RWE-Aktie zeitweise um mehr als drei Prozent zu und zählte damit zu den größten Gewinnern im Leitindex Dax. “Wir stehen fortwährend im Austausch mit unseren Investoren und anderen Finanzmarktteilnehmern, einschließlich Elliott”, erklärte der Essener Konzern. Zu Einzelheiten der Gespräche mit Investoren äußere sich das Unternehmen nicht. Als Reaktion auf das aktuelle Marktumfeld habe der Versorger auch die Renditeanforderungen erhöht und strengere Investitionskriterien eingeführt. Bei der Verschuldung sei RWE vorsichtiger, bei dem kapitalintensiven Windenergiegeschäft würden Partner ins Boot geholt. RWE bekräftigte grundsätzlich die Möglichkeit weiterer Rückkaufprogramme, nannte jedoch keine konkreten Pläne. Das jetzige Programm laufe noch bis zum ersten Halbjahr 2026. Für 2025 seien alle Investitionen verplant. Ab 2026 gebe es mehr Flexibilität. RWE habe dann auch mehr Klarheit über die künftigen Investitionen in den USA und Deutschland.
INVESTOR: RWE FEHLT ES AN WERTORIENTIERTER STRATEGIE
Elliott gilt als unbequemer Investor, der die Chefetagen der Konzerne zu mehr Rendite drängt. Die von RWE angekündigten Maßnahmen seien ein erster wichtiger Schritt, reichten aber nicht aus, erklärte der Hedgefonds. Elliott teile die Enttäuschung des Marktes, der sich mehr Klarheit versprochen habe, wie RWE Mehrwert für die Aktionäre schaffen wolle. Die Amerikaner sind unter anderem am Energiekonzern BP beteiligt. Auch in Deutschland ist Elliott kein Unbekannter. Der Investor hat schon bei Thyssenkrupp, SAP, Bayer oder Stada mitgemischt.
Bereits seit längerer Zeit ist der bayerische Finanzinvestor Enkraft bei RWE aktiv und spart nicht an Kritik. “Es ist kein Geheimnis, dass wertorientierte Aktionäre seit langem sehr unzufrieden mit RWEs mangelndem Fokus auf Risiko und Rendite von Investitionen sind”, sagte am Montag der Geschäftsführer von Enkraft Capital und RWE-Aktionär, Benedikt Kormaier. Dem Unternehmen fehle eine klare, wertorientierte Strategie, die sich auf seine Kernkompetenzen, die europäische Stromerzeugung, konzentriere.
(Bericht von Tom Käckenhoff, Christoph Steitz; redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)