Europäische Börsen nehmen vorsichtig wieder Fahrt auf

Frankfurt (Reuters) – Nach dem jüngsten Rücksetzer sind die Anleger in Europa vorsichtig wieder an die Aktienmärkte zurückgekehrt.

Der Dax und der EuroStoxx50E legten am Dienstag jeweils rund ein Prozent auf bis zu 23.067 Zähler und 5472 Punkte zu. Über allen Handelsplätzen schwebe aber das Damoklesschwert der nächsten US-Zollrunde kommenden Mittwoch, sagte Jürgen Molnar, Stratege beim Broker RoboMarkets. “Da die Börse nach vagen Äußerungen des US-Präsidenten Trump nicht mehr mit dem Schlimmsten rechnet, steigt andererseits aber auch das Enttäuschungspotenzial.”

Einen Stimmungsaufheller lieferten zudem Wirtschaftsdaten. Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Unternehmen hat sich im März spürbar gebessert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg auf 86,7 Punkte von 85,3 Zählern im Vormonat. “Zwar legt der ifo-Geschäftsklimaindex im März zu, doch von der anfänglichen Euphorie über die geplanten milliardenschweren Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben ist auf den ersten Blick nicht viel zu sehen”, sagte indes Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank.

“Die große Euphorie am Aktienmarkt scheint verflogen”, konstatierte auch Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Dazu trage bei, dass die USA in der kommenden Woche neue Zölle verkünden werden. “Und die Aussicht auf Auto-Zölle ist für den Dax nicht positiv.” US-Präsident Donald Trump hatte am Montag angekündigt, dass die US-Zölle auf Auto-Importe bald kommen sollen. Zugleich deutete er an, dass nicht alle von ihm angedrohten Zölle am 2. April eingeführt würden und einige Länder Ausnahmeregelungen erhalten könnten. Dies führte zum Wochenstart zu einer kräftigen Erholung an der Wall Street.

Die nachlassenden Zoll-Sorgen sowie starke Daten aus dem US-Dienstleistungssektor trieben am Devisenmarkt den Dollar weiter an. Der US-Dollarindex legte den fünften Tag in Folge zu und kletterte um 0,2 Prozent auf 104,46 Stellen. Mit Spannung warteten Anleger nun auf die im Tagesverlauf anstehenden Daten zum US-Verbrauchervertrauen.

ZOLLDROHUNG TREIBT ÖLPREIS

Am Rohölmarkt ließ die Furcht vor weiteren US-Zöllen und einem knapperen Angebot unterdessen den Ölpreis weiter steigen. Rohöl der Sorte Brent und US-Leichtöl WTI verteuerten sich um jeweils 0,7 Prozent auf 73,50 beziehungsweise 69,60 Dollar je Barrel. Trump hatte am Montag angekündigt, dass jedes Land, das Öl oder Gas aus Venezuela kaufe, auf Handelsgeschäfte mit den USA einen Zoll von 25 Prozent zahlen müsse. Öl ist Venezuelas wichtigstes Exportgut. Größter Abnehmer ist China, das bereits mit US-Zöllen belegt ist. Dieser Schritt könnte eine beträchtliche Verschärfung der globalen Ölbilanz bedeuten, kommentierten die Analysten von ING.

Der anziehende Ölpreis ließ Anleger zu Energieaktien greifen. Der entsprechende europäische Branchenindex zog um mehr als ein Prozent an. Bei den Einzelwerten geriet unterdessen der Technologiekonzern Jenoptik unter Druck. Die Titel gaben nach Zahlenvorlage in der Spitze um knapp fünf Prozent nach und waren damit der schwächste Wert im MDax. Nach einem verhaltenen Start rechnet der Vorstand für 2025 mit einem Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte. Auch TAG Immobilien konnte mit dem Ergebnis nicht bei Anlegern punkten und gab mehr als zwei Prozent nach.

(Bericht von Stefanie Geiger, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)

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