Istanbul (Reuters) – Ein türkisches Gericht hat den Fotojournalisten Yasin Akgul von der französischen Nachrichtenagentur AFP im Rahmen von Ermittlungen zu Protesten gegen die Festsetzung des Bürgermeisters von Istanbul in Haft genommen.
Das teilte die türkische Journalistengewerkschaft am Dienstag mit. Dem von Reuters eingesehenen Beschluss zufolge entschied das Gericht, Akgul wegen des Vorwurfs der Teilnahme an illegalen Versammlungen und Märschen in Untersuchungshaft zu nehmen. Aufforderungen an die Menge sich zu zerstreuen, sei Akgul zudem nicht nachgekommen, hieß es in dem Beschluss weiter.
Akgul und seine Anwälte erklärten in ihrer Verteidigung, er habe die Proteste als Journalist begleitet, und forderten seine Freilassung, wie aus dem Gerichtsdokument hervorgeht. Die Proteste waren durch die Festnahme des Istanbuler Bürgermeisters Ekrem Imamoglu am Mittwoch vergangener Woche ausgelöst worden. Imamoglu gilt als populärster politischer Gegner von Präsident Recep Tayyip Erdogan und wurde von der Oppositionspartei CHP am Sonntag zu ihrem Präsidentschaftskandidaten gewählt.
Der türkische Innenminister Ali Yerlikaya sagte am Dienstag, seit Beginn der Proteste seien 1418 Menschen landesweit festgenommen worden. 478 von ihnen würden noch im Laufe des Tages den Justizbehörden vorgeführt. Unterdessen erklärten viele regierungskritische Demonstranten, sie seien nach sechs Nächten mit Aktionen und vereinzelten Zusammenstößen mit der Polizei auf eine langfristige Konfrontation vorbereitet. Sie wiesen die Behauptung von Präsident Erdogan zurück, ihre “Show” werde im Sande verlaufen.
(Bericht von Ezgi Erkoyun; Bearbeitet von Alexander Ratz; Redigiert von Christian Rüttger; Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)