Deutsche Bahn verspricht Wende – 2025 operativer Gewinn eingeplant

– von Christian Krämer

Berlin (Reuters) – Die Deutsche Bahn will nach einem erneuten Milliardenverlust mit Unterstützung der neuen Bundesregierung die Trendwende schaffen und 2025 zumindest operativ wieder schwarze Zahlen schreiben.

Helfen soll dabei der Abbau von 10.000 Stellen bis Ende 2027. Der Staatskonzern stecke in der größten Krise seit 30 Jahren, erklärte Bahn-Chef Richard Lutz am Donnerstag bei der Bilanz-Pressekonferenz in Berlin. “Wir sind in wesentlichen Bereichen weit weg von dem, was wir uns vorgenommen haben und was unsere Kunden von uns erwarten.” Der Fokus müsse auf der weiteren Sanierung des maroden Schienennetzes liegen. Mittelfristig setzt Lutz auf zusätzliche Investitionen mit Geldern aus dem 500-Milliarden-Euro-Sondertopf zur Modernisierung der Infrastruktur, die Union und SPD als wahrscheinliche Koalitionspartner planen.

Auch sei es gut, dass es keine Zerschlagung der Bahn geben solle, ergänzte Lutz. “Debatten über die Trennung von Netz und Betrieb können wir uns nicht leisten. Das kostet nur Zeit und lenkt ab.” Bereinigt um Verkäufe wie die eingefädelte Trennung von der Speditionstochter Schenker fiel bei der Bahn 2024 ein deutlich verringerter Betriebsverlust von 333 Millionen Euro an. Unter dem Strich stand ein Minus von 1,8 (2023: minus 2,7) Milliarden Euro. Während der Regionalverkehr operativ bereits in der Gewinnzone ist, erhöhten sich die Verluste im notorisch unpünktlichen Fernverkehr. Größtes Sorgenkind bleibt der Güterverkehr. Hier fiel der größte Betriebsverlust an.

Laut einem Papier der Fachpolitiker von CDU/CSU und SPD für die Koalitionsverhandlungen wird mittelfristig eine grundlegende Bahn-Reform angestrebt, allerdings ohne Zerschlagung. Vielmehr soll die gemeinwohlorientierte Infrastruktur-Tochter innerhalb des Konzerns entflochten werden. “Hierzu sind sowohl personelle, rechtliche als auch organisatorische Maßnahmen zu ergreifen.” Sowohl beim Bahn-Konzern als auch bei der Tochter DB InfraGO sollen Aufsichtsrat und Vorstand neu aufgestellt werden. Ziel seien schlankere Strukturen und mehr Fachkompetenz.

Lutz sagte, ihm sei ein Stein vom Herzen gefallen, dass die nächste Regierung die Probleme bei der Infrastruktur beherzt angehen wolle, die über Jahre kaputtgespart worden sei. “Das finden wir ausgesprochen positiv.” Der immer wieder in der Kritik stehende Bahn-Chef signalisierte, weiter an der Sanierung arbeiten zu wollen. “Wenn ich sozusagen der Verursacher der Krise wäre, dann wäre das Problem relativ preiswert zu lösen.” Das Problem liege aber im Schienennetz. “Auf einer störanfälligen und veralteten Infrastruktur können wir keinen stabilen Betrieb sicherstellen.” Es werde leider keine schnellen Lösungen geben.

SANIERUNGSPLAN BIS 2027

Bis Ende 2027 sollen gegenüber 2024 in Verwaltung und Vertrieb rund 10.000 Vollzeitstellen wegfallen. Das entspricht einer Reduzierung von etwa 20 Prozent. Anders seien die wirtschaftlichen Ziele der Bahn nicht erreichbar, sagte Finanzchef Levin Holle. Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht vorgesehen, nur freiwillige Abfindungsangebote. Es soll in erster Linie die normale Fluktuation genutzt werden, weswegen die Bahn nicht mit höheren Sonderkosten kalkuliert.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Generalsanierung wichtiger Streckenabschnitte. In diesem Jahr soll die Verbindung von Hamburg nach Berlin sowie in Nordrhein-Westfalen zwischen Emmerich und Oberhausen dran sein. Ende 2024 wurde in nur fünf Monaten die sogenannte Riedbahn – der viel genutzte Abschnitt zwischen Frankfurt am Main und Mannheim – rundum erneuert, inklusive Bahnhöfen und Technik. Allerdings fielen die Kosten mit 1,5 Milliarden Euro deutlich höher als erwartet aus. Jetzt verkehren dort laut Bahn fünf Prozent mehr Züge, im Jahresverlauf soll die Zahl der Störungen um 80 Prozent sinken.

Der scheidende Verkehrsminister Volker Wissing sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Zahlen der Bahn verdeutlichten den Sanierungsbedarf. “Hier müssen alle konsequent am Ball bleiben.” Gemeinsam mit dem Bund sollen 2025 mehr als 20 Milliarden Euro investiert werden, nachdem 2024 dafür die Rekordsumme von 18,2 Milliarden mobilisiert wurde. Lutz sagte, die Finanzierung für die nächsten drei Jahre sei gesichert, für die Zeit danach brauche es dann auch Mittel aus dem neuen Sondervermögen für die Infrastruktur. Die Haushaltsverhandlungen von Union und SPD sollten Klarheit für die mittelfristige Planung bringen. Außerhalb des normalen Haushalts braucht die Bahn Lutz zufolge mindestens 80 Milliarden Euro für das bestehende Netz. Inklusive Aus- und Neubauprojekten und einer schnelleren Digitalisierung seien es 150 Milliarden Euro.

Der Verband der Familienunternehmer warnte, dass die Gelder wegen ineffizienter Strukturen wirkungslos verpuffen könnten. Der Verband der Güterbahnen forderte ein politisches Signal, um die Infrastruktursparte aus dem Konzern herauszulösen. “Die Trendwende werden wir nur erleben, wenn sich die nächste Regierung nicht einredet, mit Geld die Probleme beim DB-Konzern zuschütten zu können.”

Am größten sind die Probleme bei DB Cargo, die stärker im Wettbewerb steht als andere Sparten. Sie muss 2026 auf Druck der EU-Kommission profitabel sein, sonst droht die Zerschlagung. Holle sagte, neben Einsparungen werde es hier kleinere Verkäufe geben. Der Umsatz der Gütersparte fiel 2024 um 3,2 Prozent, der Betriebsverlust summierte sich auf 357 Millionen Euro.

(Redigiert von Ralf Banser; Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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