Bankenverband: Deutsche Wirtschaft wächst erst 2026 spürbar

Berlin (Reuters) – Die Chefvolkswirte der Privatbanken in Deutschland trauen der Wirtschaft erst im kommenden Jahr wieder spürbares Wachstum zu. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte 2026 um 1,4 Prozent zulegen, teilte der Bundesverband deutscher Banken (BdB) am Mittwoch mit. “Die Impulse durch das Fiskalpaket zeigen sich erst nächstes Jahr in den Wirtschaftszahlen”, erklärte BdB-Hauptgeschäftsführer Heiner Herkenhoff mit Blick auf die geplanten Ausgaben von Union und SPD in Infrastruktur und Verteidigung. “Doch mit starken Reformen und der Aussicht auf eine wettbewerbsfähige Steuerpolitik könnte die neue Bundesregierung schon früher Investitionen ankurbeln.”

Für das laufende Jahr senkten die Banken-Fachleute zum zweiten Mal ihre Wachstumsprognose. Sie erwarten nun nur noch einen leichten BIP-Anstieg von 0,2 Prozent. Im September hatten sie noch 0,7 Prozent erwartet. Im Frühjahr 2024 hatten sie sogar noch 1,2 Prozent Wachstum für 2025 veranschlagt.

Im kommenden Jahr soll die Wirtschaft dann besser in Tritt kommen. “Ja, wir gewinnen wieder Schwung”, betonte Felix Hüfner, Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschafts- und Währungspolitik des Bankenverbandes. Wie dauerhaft dies sei, hänge entscheidend davon ab, was die neue Bundesregierung an Reformen umsetze, wie sich der Zollstreit entwickle und wie schnell das Fiskalpaket wirke.

Bei der Schätzung gibt es aber viel Unsicherheit und das Risiko durch die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump: Die Ökonomen kalkulieren US-Zollerhöhungen von pauschal zehn bis 15 Prozent ein, heißt es in der halbjährlichen BdB-Prognose, die auf einer Umfrage unter den 14 Chefvolkswirten privater Banken beruht. Sollte es höhere Zölle etwa von 25 Prozent oder mehr geben, sei der konjunkturelle Gegenwind für Deutschland stärker, betonte Hüfner, der auch Chefvolkswirt Deutschland der UBS Europe ist. Dann würde das BIP 2025 wohl stagnieren oder wie in den vergangenen Jahren sogar leicht schrumpfen, ergänzte Volker Hofmann, Leiter Volkswirtschaft beim BdB.

Bei den Unternehmensinvestitionen rechnen die Fachleute in diesem Jahr mit einem Rückgang um 1,0 Prozent. Doch auch der für 2026 erwartete Anstieg um 3,5 Prozent sei vergleichsweise schwach. “Vor der europäischen Staatsschuldenkrise 2012/2013 stiegen die Unternehmensinvestitionen in Aufschwungsphasen regelmäßig zweistellig, sagte Herkenhoff. Die Schwäche bei diesen Ausgaben der Firmen verdeutliche, wie dringend grundlegende Wirtschaftsreformen in Deutschland seien.

Die deutsche Wirtschaft ist 2023 und 2024 geschrumpft. Pessimisten rechnen 2025 mit einem dritten Rezessions-Jahr in Folge – das gab es seit Gründung der Bundesrepublik noch nie.

Bei der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) erwartet der BdB im April und im Juni noch jeweils eine Zinssenkung – auf dann zwei Prozent beim Leitzins, dem Einlagensatz. Dann werde die EZB voraussichtlich das Niveau halten und auch 2026 nicht verändern, sagte Hüfner.

(Bericht von Klaus Lauer, redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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