Berlin (Reuters) – Außenhandelspräsident Dirk Jandura rät von Boykottaufrufen gegen amerikanische Waren als Reaktion auf die von US-Präsident Donald Trump angekündigten hohen Importzölle ab.
“Als Händler halte ich von grundsätzlichem Boykott wenig”, sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Er glaube nach wie vor an die vielen Vorteile und Errungenschaften des freien internationalen Handels. “Bei diesen Boykottaufrufen, die sich auch in den sozialen Medien so schnell verbreiten, muss man zudem vorsichtig sein”, betonte Jandura. “Viele der vermeintlich amerikanischen Produkte werden zum Teil oder ganz hier in Deutschland produziert. Da trifft man dann letztendlich deutsche Unternehmer und Arbeitnehmer.”
Große Boykottbewegungen gegen US-Waren gibt es in Kanada und Dänemark – vor allem, weil Trump Kanada zum 51. US-Bundesstaat machen möchte und das zu Dänemark gehörende Grönland kaufen will. Auch in der Europäischen Union, der Trump mit hohen Strafzöllen von 20 Prozent droht, regt sich Protest. Auf der Online-Plattform Reddit haben sich 200.000 Mitglieder in dem Forum “BuyFromEU” organisiert, wo europäische Alternativen zu US-Produkten angepriesen werden.
Die Bundesregierung äußerte sich kürzlich kritisch zu solchen Aufrufen. “Sie wissen, dass die Bundesregierung an guten Beziehungen und auch guten Handelsbeziehungen zu den USA interessiert ist. Und wir tun auch alles dafür”, sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit vorige Woche in Berlin. Gerade für eine exportstarke Nation wie Deutschland gelte, “dass wir nicht mehr Handelshemmnisse brauchen, sondern weniger”, betonte er. “Insofern schließen wir uns solchen Forderungen nicht an.”
Auch der Verband der Chemischen Industrie (VCI) mahnte zu Zurückhaltung. “Jetzt gilt es für alle Beteiligten, einen kühlen Kopf zu bewahren”, sagte VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup. “Eine Eskalationsspirale würde den Schaden nur vergrößern.”
(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Christian Rüttger – Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)