Berlin (Reuters) – Außenhandelspräsident Dirk Jandura erwartet negative Folgen für die deutsche Wirtschaft durch die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zölle.
“Ich sage es ganz offen: Das werden wir spüren”, sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) am Mittwochabend der Nachrichtenagentur Reuters. “Die Zölle werden wir in Preissteigerungen umsetzen müssen, und das bedeutet in vielen Fällen einen Umsatzrückgang.” Bei kleineren Unternehmen, die schon geschwächt aus den letzten schwierigen Jahren gekommen seien, könne das auch das Aus bedeuten. Damit treffe es dann auch deren Arbeitnehmer.
Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) bedauert die Entscheidung der US-Regierung. “Jetzt gilt es für alle Beteiligten, einen kühlen Kopf zu bewahren”, sagte VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup. “Eine Eskalationsspirale würde den Schaden nur vergrößern. Unser Land darf nicht zum Spielball eines ausufernden Handelskrieges werden.” Brüssel müsse in seiner Reaktion flexibel und im engen Dialog mit Washington bleiben. Europa brauche ein starkes Mandat, auch im Interesse der deutschen Industrie. “Das Ziel muss eine beidseitig faire Lösung sein – für Europa und die USA”, sagte Große Entrup.
Ein geschätzter Export-Rückgang von 15 Prozent, der etwa vom Ifo-Institut als Folge der Zölle prognostiziert werde, würde dem BGA zufolge Deutschland auch gesamtwirtschaftlich treffen. “Wir sind eine Exportnation”, betonte Jandura. Trump hatte zuvor in Washington sogenannte reziproke Zölle auf Importe angekündigt. Diese sollen für Importe aus der Europäischen Union bei 20 Prozent liegen. Solche Handelsbarrieren aufzubauen, schade definitiv beiden Seiten, warnte BGA-Präsident Jandura. “Das ist eine wirtschaftliche Sackgasse, an deren Ende deutliche Wohlstandsverluste für beide Seiten des Atlantiks stehen.”
Die USA sind der wichtigste Handelspartner Deutschlands und der größte Abnehmer von Waren “Made in Germany”. Die deutschen Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft summierten sich im vergangenen Jahr auf mehr als 161 Milliarden Euro und erreichten damit einen Rekordwert. Die Vereinigten Staaten sind beispielsweise das größte Abnehmerland von Autos aus Deutschland: 13,1 Prozent aller exportierten neuen Fahrzeuge gingen im vergangenen Jahr dorthin.
(Bericht von Rene Wagner; Redigiert von Hans Busemann; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)