Berlin (Reuters) – Die EU sollte nach Ansicht der deutschen Wirtschafts-Lobby wegen der von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zölle nun vor allem geschlossen vorgehen und verhandlungsbereit bleiben.
“Auf die neuen US-Zölle sollte die EU nicht impulsiv, sondern entschieden und mit Weitsicht reagieren”, sagte Außenwirtschaftschef Volker Treier von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) am Donnerstag. Es zeige sich hier einmal mehr, dass Europa seine Unternehmen ohne weitere Verzögerungen fit für den Wettbewerb machen müsse.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erklärte, die Europäische Union (EU) sei nur geschlossen handlungsfähig. Das gelte für die 27 Mitgliedstaaten ebenso wie über Branchen hinweg. “Die EU hat eigene Instrumente für eine wirksame Gegenreaktion, die sie entschlossen ausspielen kann”, sagte Wolfgang Niedermark, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung. “Die Strategie der Kommission, in Kenntnis der europäischen Stärken weiter verhandlungsbereit zu bleiben und auf mögliche Angebote flexibel zu reagieren, unterstützen wir.”
Trump hat neue Zölle verkündet: Ab dem 5. April soll ein Basiszoll von zehn Prozent auf alle Importe in die Vereinigten Staaten gelten. Zudem kündigte der Republikaner noch höhere Zölle auf einige der größten Handelspartner an, die am 9. April wirksam werden sollen. Für die Europäische Union sollen 20 Prozent gelten, für China sind 34 Prozent vorgesehen.
“Die angekündigten Zölle sind ein beispielloser Angriff auf das internationale Welthandelssystem, freien Handel und globale Lieferketten”, kritisierte Niedermark. Die Begründung für diese protektionistische Eskalation sei nicht nachvollziehbar. “Sie bedroht unsere exportorientierten Unternehmen und gefährdet Wohlstand, Stabilität, Arbeitsplätze, Innovationen und Investitionen weltweit.”
BGA: TRUMP STÜRZT MIT “US-BREXIT” WELT IN HANDELSKRIEG
Von einem “Frontalangriff auf den Welthandel” sprach der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA). “Mit drastischen Zollanhebungen für mehr als 100 Handelspartner stürzt der amerikanische Präsident mit einem amerikanischen Brexit die Welt in einen offenen Handelskrieg”, warnte BGA-Präsident Dirk Jandura. Der Konflikt werde “unser Wirtschaftswachstum erheblich beeinträchtigen”, sagte er. “Je länger es dauert, desto schmerzhafter wird es für alle, auch die USA.” Die deutsche Chemieindustrie mahnte, jetzt kühlen Kopf zu bewahren. “Eine Eskalationsspirale würde den Schaden nur vergrößern”, sagte der Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup vom Branchenverband VCI.
Die deutsche Autobranche kritisierte, Trump isoliere die USA. Dieser Protektionismus werde nur Verlierer produzieren, sagte die Präsidentin des Branchenverbandes VDA, Hildegard Müller. Zölle dieser Art bremsten den Innovationsdruck für US-Unternehmen und würden deren internationale Wettbewerbsfähigkeit mittelfristig schwächen.
DIHK-Experte Treier sagte, mit ihrer aggressiven Zollpolitik eskalierten die USA den Handelskonflikt. “Das wird nicht als Befreiungstag in die Geschichte eingehen, sondern als Belastungstag – vor allem für die amerikanischen Konsumenten”, sagte Treier unter Verweis auf die Trump-Erklärung, dass die Zollankündigung ein Tag der Befreiung für die USA sein werde. Denn ein Fünftel ihres Konsums bezögen die Amerikaner aus dem Ausland. Die 20-prozentigen Einfuhrzölle auf alle europäischen Waren seien ein Rückschlag für die deutschen Exporteure, denn für Deutschland seien die USA der wichtigste Handelspartner. “Wir sind auch auf anderen Weltmärkten gut vertreten – das müssen wir jetzt erst recht ausbauen.” Viele andere Wirtschaftsregionen streckten die Hand aus. “Da müssen wir jetzt beherzt einschlagen”, betonte Treier. Handelsabkommen mit den Mercosur-Staaten in Südamerika und mit Indien müssten rasch unter Dach und Fach gebracht werden.
(Bericht von Klaus Lauer; redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)