Berlin (Reuters) – Ökonomen warnen vor erheblichen Folgen für die deutsche Wirtschaft durch die von US-Präsident Donald Trump angekündigten hohen Importzölle.
“Auch Europa und insbesondere das exportstarke Deutschland sind von diesen Zöllen betroffen”, sagte der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Achim Wambach, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Studien gingen davon aus, dass die Exporte aus Deutschland in die USA um etwa 20 Prozent einbrechen dürften. “Das Bruttoinlandsprodukt wird um bis zu 0,5 Prozent sinken”, sagte Wambach. Gleichzeitig dürften Unternehmen aus Drittstaaten ihre Exporte umlenken und mehr Güter in die EU liefern, “was tendenziell zu geringeren Preisen führen wird”.
Dem Münchner Ifo-Institut zufolge könnten die Zölle einen dauerhaften Rückgang des deutschen Bruttoinlandsproduktes um 0,3 Prozent bedeuten. Einige Schlüsselbranchen wie Pharma, Auto und Maschinenbau dürften dabei stärker betroffen sein. “Der deutsche Handel leidet gleich dreifach: Erstens, weil Deutschland weniger in die USA exportiert. Zweitens, weil Deutschland aufgrund der geringeren Wettbewerbsfähigkeit Chinas weniger nach China exportiert”, sagte Ifo-Expertin Lisandra Flach. “Und drittens durch einen Anstieg im Wettbewerb in Deutschland, wenn beispielsweise China nach neuen Märkten sucht, um die zuvor in die USA exportierten Produkte zu verkaufen.”
Auch Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer rechnet mit erheblichen Auswirkungen durch die neuen Zölle. “Das ist ein schlechter Tag für das Exportland Deutschland”, sagte der Ökonom. Die Zollsätze auf deutsche Exporte in die USA dürften verglichen mit der Zeit vor Trumps zweiter Präsidentschaft durchschnittlich fast um 20 Prozentpunkte steigen. “Das wird das deutsche Bruttoinlandsprodukt über zwei Jahre insgesamt um schätzungsweise ein halbes Prozent senken”, betonte Krämer. Er gehe jedoch davon aus, dass der Zollanstieg im Rahmen von Nachverhandlungen der EU am Ende niedriger ausfallen werde. “Wegen der sich abzeichnenden Zollerhöhungen hatten wir unsere deutsche Konjunkturprognose für 2025 bereits vor drei Wochen von 0,2 auf 0,0 Prozent gesenkt”, so der Commerzbank-Chefvolkswirt.
ZEW-Präsident Wambach warnte vor einer Eskalation. “Die EU sollte sich nicht auf einen flächendeckenden Handelskrieg einlassen, sondern gezielte und den Interessen der EU dienende Gegenmaßnahmen ergreifen”, so der Ökonom. So könnten insbesondere solche Produkte und Dienstleistungen mit Zöllen belegt werden, die leicht ersetzbar und bei denen die Margen der Unternehmen besonders hoch seien. “Gleichzeitig sollte die EU die geplanten Handelsabkommen etwa mit Indien und Thailand vorantreiben, um sich im Welthandel breiter aufzustellen”, sagte Wambach.
Trump hatte am Mittwoch beispiellose Zollerhöhungen auf alle Importe der USA per Dekret erlassen. Ab 5. April soll ein Basiszoll von zehn Prozent auf alle Importe in die Vereinigten Staaten gelten. Für die Europäische Union sollen Zölle in Höhe von 20 Prozent greifen.
Die USA sind der wichtigste Handelspartner Deutschlands und der größte Abnehmer von Waren “Made in Germany”. Die deutschen Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft summierten sich im vergangenen Jahr auf mehr als 161 Milliarden Euro und erreichten damit einen Rekordwert. “Die Exporte in die USA machen rund zehn Prozent der deutschen Exporte aus, 90 Prozent gehen in andere Länder”, sagte ZEW-Präsident Wambach.
(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)