Scharfe Kritik an Trump wegen neuer Zölle – Gegenmaßnahmen in Arbeit

– von Christian Krämer und Rene Wagner

Berlin/Washington (Reuters) – Die hohen Sonderzölle der USA gegen zahlreiche Handelspartner haben in Deutschland und rund um den Globus für scharfe Kritik gesorgt.

Die Europäische Union, China und Kanada kündigten am Donnerstag umgehend Gegenmaßnahmen an. Damit scheint ein weltweiter Handelskrieg kaum mehr abwendbar zu sein. Ökonomen sprachen von einer Zäsur und Zerstörung des bisherigen Handelssystems. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck warnte die USA, die Maßnahmen könnten über eine hohe Inflation zum Bumerang werden. In Deutschland ist die Autobranche stark getroffen. Denn in der Nacht traten auf US-Importe von Fahrzeugen neue Sonderzölle von 25 Prozent in Kraft. Die Aktienmärkte reagierten mit deutlichen Verlusten, Gold als sicherer Hafen war dagegen gefragt.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sieht die neuen US-Zölle als schweren Schlag für die Weltwirtschaft. “Wir sollten uns über die immensen Folgen im Klaren sein, die Weltwirtschaft wird massiv leiden”, sagte sie am Donnerstag. “Wir bereiten uns jetzt auf weitere Gegenmaßnahmen vor, um unsere Interessen und unsere Unternehmen zu schützen, falls die Verhandlungen scheitern.” Details zu den Plänen nannte sie nicht. Die EU plant bereits Gegenzölle für US-Waren in Höhe von bis zu 26 Milliarden Euro für die Mitte März in Kraft getretenen US-Zölle auf Stahl und Aluminium.

Habeck sagte, für Verbraucher in den USA seien die Zölle nicht der “Tag der Befreiung”, wie von US-Präsident Donald Trump bezeichnet, sondern der “Tag der Inflation”. “Die US-Zoll-Manie kann eine Spirale in Gang setzen, die auch Länder in die Rezession reißen kann und weltweit massiv schadet. Mit schlimmen Folgen für viele Menschen.” Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sieht die Stabilität der Weltwirtschaft gefährdet. Die Entscheidungen aus Washington brächten die Weltwirtschaft auf den falschen Kurs.

Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Moritz Schularick, nannte die Zölle eine Zäsur. “Das tut richtig weh, auch den Amerikanern”, sagte er dem “Handelsblatt”. Das Risiko, dass die USA in eine Rezession rutschen könnten, sei mit dem Rundumschlag um einiges wahrscheinlicher geworden. Nach den Berechnungen seines Instituts werde es einen Inflationsschub von mehreren Prozent in den USA geben. “Das wird es der US-Notenbank schwermachen, in einer künftigen Rezession die Zinsen aggressiv zu senken.” Damit sei auch der Aufschwung in Europa gefährdet. Trump sei unberechenbar, unkalkulierbar und breche bewusst Tabus.

Der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Achim Wambach, verwies auf Studien, wonach die Exporte aus Deutschland in die USA um etwa 20 Prozent einbrechen dürften. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt werde um bis zu 0,5 Prozent sinken. Zugleich dürften Unternehmen aus Drittstaaten ihre Exporte umlenken und mehr Güter in die EU liefern, was hier tendenziell zu geringeren Preisen führen werde.

USA WARNEN VOR VERGELTUNG

Trump hatte die Welle an neuen Zöllen am Mittwoch bei einer Zeremonie im Rosengarten des Weißen Hauses verkündet. Ab dem 5. April soll ein Basiszoll von zehn Prozent auf alle Importe in die Vereinigten Staaten gelten. Zudem kündigte der Republikaner noch höhere Zölle auf einige der größten Handelspartner an, die am 9. April wirksam werden sollen. Für die Europäische Union sollen 20 Prozent gelten, für China sind 34 Prozent vorgesehen.

Einem US-Insider zufolge stehen rund 60 Länder auf der Liste der “größten Missetäter”. Es seien weitere Zölle in bestimmten Branchen geplant, etwa Halbleiter, Pharmaprodukte oder möglicherweise kritische Mineralien. US-Finanzminister Scott Bessent warnte die betroffenen Staaten davor, auf die neuen Zölle mit Vergeltungsmaßnahmen zu reagieren. Dies werde nur zu einer Eskalation führen.

Das besonders betroffene China forderte die USA auf, ihre Zölle unverzüglich aufzuheben. “China lehnt dies entschieden ab und wird Gegenmaßnahmen ergreifen, um seine eigenen Rechte und Interessen zu schützen”, so das Handelsministerium in Peking. Der Schritt der USA missachte den Interessenausgleich, der in multilateralen Handelsverhandlungen im Laufe der Jahre erreicht worden sei.

ALTERNATIVE: HANDEL MIT ANDEREN LÄNDERN

Die EU sollte laut Ratspräsident Antonio Costa nun verstärkt Freihandelsabkommen mit anderen Ländern abschließen. “Wir werden mit allen unseren Partnern zusammenarbeiten und unser Handelsnetz weiter stärken und ausbauen. Jetzt ist es an der Zeit, die Abkommen mit Mercosur und Mexiko zu ratifizieren und die Verhandlungen mit Indien und anderen wichtigen Partnern entschlossen voranzutreiben.”

Die deutsche Autobranche kritisierte, dass Trump die USA isoliere. Der Protektionismus der USA werde nur Verlierer produzieren, so die Präsidentin des Branchenverbandes VDA, Hildegard Müller. Zölle dieser Art reduzierten den Innovationsdruck für US-Unternehmen und würden deren internationale Wettbewerbsfähigkeit mittelfristig schwächen. Volkswagen will laut “Wall Street Journal” eine Importgebühr auf von den US-Zöllen betroffene Fahrzeuge einführen. Dies habe der Wolfsburger Konzern seinen Händlern bereits mitgeteilt.

Der deutsche Großhandelsverband BGA rechnet mit Preissteigerungen, die nun nötig würden. Der französische Branchenverband FEVS erwartet einen Rückgang der Wein- und Spirituosenexporte von mindestens 20 Prozent.

(Mitarbeit der Reuters-Büros in Washington, Paris und Brüssel, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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