IWF appelliert an USA: Zollstreit darf nicht weiter eskalieren

– von Christian Krämer und Jeff Mason und Kitiphong Thaichareon

Berlin/Washington/Bangkok (Reuters) – Der Internationale Währungsfonds hat die USA und ihre Handelspartner aufgerufen, im Zollstreit nicht weiter zu zündeln.

Für die ohnehin schwache Weltwirtschaft stelle die jetzige Situation ein erhebliches Risiko dar, warnte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa. Zahlreiche Staaten zeigten sich nach der Welle neuer US-Zölle durch Präsident Donald Trump gesprächsbereit. Thailand sicherte zu, mehr US-Produkte kaufen zu wollen. EU-Handelskommissar Maros Sefcovic wollte am Freitag in Washington mit Vertretern der US-Regierung sprechen. Trump bot China ein Entgegenkommen an, falls die Regierung in Peking grünes Licht für den Verkauf der Video-Plattform TikTok geben sollte.

“Es ist wichtig, Schritte zu vermeiden, die der Weltwirtschaft weiter schaden könnten”, sagte Georgiewa. Der IWF appelliere an die USA und ihre Handelspartner, jetzt konstruktiv zusammenzuarbeiten. Die Spannungen müssten abgebaut und Unsicherheiten ausgeräumt werden. Der IWF will noch im April neue Prognosen für das Wachstum der Weltwirtschaft und der einzelnen Staaten veröffentlichen. Zahlreiche Ökonomen haben wegen der Trump-Zölle vor einer anhaltenden Rezession in Deutschland gewarnt. Aber auch die Aussichten für die USA werden deutlich schlechter gesehen, was an den Aktienmärkten einen Ausverkauf ausgelöst hat.

Ab Samstag soll ein Basiszoll von zehn Prozent auf alle Importe in die Vereinigten Staaten gelten. Zudem hatte Trump noch höhere Zölle für einige der größten US-Handelspartner angekündigt, die am kommenden Mittwoch wirksam werden sollen. Für die Europäische Union werden 20 Prozent gelten, für China sind 34 Prozent vorgesehen.

THAILAND WILL HANDELSÜBERSCHUSS MIT USA VERRINGERN

Die Drohungen blieben nicht ohne Ergebnis. Thailands Finanzminister Pichai Chunhavajira sagte zu Journalisten, das südostasiatische Land werde mehr Autos, Flüssiggas und Elektronik aus den USA kaufen. Damit solle die Handelsbilanz ausgeglichener gestaltet werden. Früheren Angaben zufolge sollen auch mehr US-Agrarprodukte eingeführt werden. Trump wirft zahlreichen Ländern, auch Thailand, vor, die USA auszunutzen. Der Republikaner verweist dabei stets auf die Handelsdefizite seines Landes.

In der EU wird derzeit an einer Antwort gearbeitet. Einerseits soll noch Zeit für Verhandlungen bleiben, andererseits werden immer wieder Forderungen nach spürbaren Gegenmaßnahmen laut, etwa eine Digitalsteuer auf Technologie-Firmen, was viele US-Internetkonzerne treffen würde. Frankreichs Finanzminister Eric Lombard sagte dem TV-Sender BFM, die EU sollte nicht mit den gleichen Werkzeugen antworten, weil sonst europäische Konsumenten leiden würden. “Wir arbeiten an einem Paket aus Antworten, das auch über Zölle hinausgehen kann.”

Italiens Außenminister Antonio Tajani betonte, die EU sollte sich dafür einsetzen, die neuen Zölle auf zehn Prozent zu halbieren. Das könnte das kurzfristige Ziel sein, sagte er der Zeitung “Corriere della Sera”. EU-Kommissar Sefcovic sei dafür genau die richtige Person.

WIE LANGE BLEIBEN DIE NEUEN ZÖLLE?

Trump vermischt die Handelspolitik immer stärker mit anderen Themen, zuletzt etwa der Grenzsicherung durch Mexiko oder Kanada. An Bord der “Air Force One” sagte Trump zu Journalisten, er würde bei TikTok einen Deal mit China in Betracht ziehen. Zuvor hatte US-Vizepräsident JD Vance angekündigt, die Entscheidung über den Zwangsverkauf von TikTok an einen amerikanischen Bieter solle noch vor dem Wochenende fallen. Der US-Kongress hatte wegen einer möglichen Bedrohung der nationalen Sicherheit mit großer Mehrheit ein Gesetz verabschiedet, das den chinesischen TikTok-Mutterkonzern ByteDance dazu verpflichtet, sein US-Geschäft bis zum 19. Januar 2025 zu verkaufen. Ansonsten werde die Plattform landesweit gesperrt. Trump verlängerte diese Frist bis zum 5. April.

Unklar ist, ob die umfangreichen US-Zölle von Dauer sein werden. Trump hat gesagt, sie gäben den USA Verhandlungsmacht. US-Handelsminister Howard Lutnick und Trumps Handelsberater Peter Navarro sagten in Interviews dagegen, der Präsident werde nicht nachgeben. Über die Zollerhöhungen könne nicht verhandelt werden.

Die Zölle hatten rund um den Globus für Empörung gesorgt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron rief europäische Firmen dazu auf, Investitionen in den USA auszusetzen. In Japan sagte Ministerpräsident Shigeru Ishiba, die Zölle hätten eine “nationale Krise” heraufbeschworen. Kanadas neuer Regierungschef Mark Carney betonte, die USA hätten ihre einst führende Rolle für internationale Kooperation in der Wirtschaftspolitik aufgegeben. Die US-Investmentbank JP Morgan bezifferte die Wahrscheinlichkeit einer globalen Rezession bis zum Jahresende nun auf 60 Prozent, nachdem sie zuvor noch von 40 Prozent ausgegangen war.

(Redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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