Kartellamt prüft Einstieg von Unicredit bei der Commerzbank

Düsseldorf (Reuters) – Die italienische Großbank Unicredit treibt ihren Einstieg bei der Commerzbank weiter voran.

Das Mailänder Geldhaus meldete die Übernahme eines Minderheitsanteils beim Kartellamt zur Prüfung an, sagte ein Sprecher der Behörde am Mittwoch. Das Kartellamt untersuche nun die möglichen Auswirkungen auf den Wettbewerb. Die Unicredit habe die Übernahme eines Anteils von bis zu 29,99 Prozent an der Commerzbank angemeldet. Auch die bei der EZB angesiedelten Aufsichtsbehörden für die Bankenaufsicht nehmen die Pläne aktuell unter die Lupe.

Das Vorhaben der Unicredit könnte auch ein Fall für die EU-Kommission werden. Doch dazu dürfte es erst kommen, wenn die Unicredit nach der tatsächlichen Kontrolle über die Commerzbank greift – etwa durch ein Übernahmeangebot, das nach einem Überschreiten der Schwelle von 30 Prozent der Anteile fällig wird.

Die Prüfung der Minderheitsbeteiligung liegt aktuell indes beim Bundeskartellamt. Die Behörde hat nun bis zu einem Monat Zeit für eine erste Untersuchung der Pläne. Halten die Wettbewerbshüter eine weitere Prüfung für erforderlich, wird ein förmliches Hauptprüfverfahren eingeleitet und die Frist für die Prüfung verlängert. Das Bundeskartellamt muss im Fall eines Hauptprüfverfahrens innerhalb von fünf Monaten ab Eingang der Anmeldung entscheiden. Im Falle Unicredits ging die Anmeldung nach Angaben der Behörde am 24. Februar 2025 ein.

Die italienische Großbank UniCredit war im September mit neun Prozent bei der Commerzbank eingestiegen und hat sich über Derivate inzwischen Zugriff auf 28 Prozent der Anteile gesichert. UniCredit-Chef Andrea Orcel wirbt für eine komplette Übernahme der Commerzbank, doch diese beharrt auf ihrer Eigenständigkeit und wertet das Vorgehen des Mailänder Instituts als feindlich. Orcel hatte bei der Vorstellung seiner Jahresbilanz Mitte Februar erklärt, dass UniCredit vor weiteren Schritten – etwa einem Übernahmeangebot – erst Gespräche mit der neuen Bundesregierung abwarten wolle.

(Bericht von Matthias Inverardi, redigiert von Philipp Krach. Bei Rückfragen wenden Sie sich bittean unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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