Zementkonzern Holcim rechnet dank Trump mit Schwung im US-Geschäft

Zürich (Reuters) – Der Zementkonzern Holcim erhofft sich von der neuen US-Regierung unter Präsident Donald Trump Schub im Nordamerika-Geschäft.

“Die derzeitige Regierung wird die Infrastrukturausgaben beschleunigen”, erklärte Konzernchef Miljan Gutovic am Freitag auf der Bilanzpressekonferenz des Schweizer Unternehmens. Straßen, Tunnel, Brücken und Flughäfen seien jahrzehntelang vernachlässigt worden. “Deshalb ist es jetzt an der Zeit, in den USA massiv in die Infrastruktur zu investieren.” Holcim habe sich für die kommenden Jahre bereits mehr als 200 Infrastrukturprojekte in der Region gesichert. Rückenwind verleihe auch die geplante Straffung der Genehmigungsverfahren für Großprojekte.

Indem das Nordamerika-Geschäft vom Konzern verselbständigt wird, will Holcim das Potenzial in der Region heben und die Börsenbewertung ankurbeln. Auf dem Weg hin zur Abspaltung nahm Holcim eine weitere Hürde. So reichte der Konzern bei der US-Wertpapierbehörde SEC eine Registrierungserklärung für das Amrize getaufte Geschäft ein. Amrize soll bis zur Jahresmitte in einer der größten Transaktionen der Baustoffbranche der vergangenen Jahre an der New York Stock Exchange (NYSE) und an der Schweizer Börse SIX gelistet werden. Nach dem geplanten Spin-off werde Amrize mit operativem Hauptsitz in Chicago der größte Anbieter von Baulösungen sein, der sich ausschließlich auf den nordamerikanischen Markt konzentriert. Das Unternehmen mit 19.000 Mitarbeitern und mehr als 1000 Betriebsstätten beliefere alle US-Bundesstaaten und kanadischen Provinzen mit Produkten wie Zement, Transportbeton, Zuschlagstoffen, Bedachungen und Isolierungen.

Die Auswirkungen der von Trump angekündigten Einführung von Importzöllen bereiten Gutovic keine Sorgen. “Holcim produziert vor Ort. Wir beschaffen lokal. Wir nutzen lokale Ressourcen. Und was immer wir produzieren, verkaufen wir vor Ort”, sagte der Manager. “Die Auswirkungen der Zölle sind für Holcim also nicht existent.” Vergangenen Monat hatte sich bereits der Rivale Heidelberg Materials zuversichtlich zum US-Geschäft geäußert. “Die neue Administration in den USA hat eine klare Wachstumsagenda”, hatte Vorstandschef Dominik von Achten im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters gesagt. “Sie will Industriearbeitsplätze schaffen und die Infrastruktur deutlich verbessern.”

Amrize erwirtschaftete 2024 bei einem Umsatz von 11,7 Milliarden Dollar ein bereinigtes operatives Ergebnis (Ebitda) von 3,2 Milliarden Dollar. Beim Gesamtkonzern nahm der Umsatz in Lokalwährungen um 1,3 Prozent auf 26,4 Milliarden Franken zu. Dank Preiserhöhungen und der Ausrichtung auf klimaverträglichere Produkte kletterte das bereinigte operative Ergebnis (wiederkehrendes Ebit) um 6,1 Prozent auf den Rekordwert von 5,05 Milliarden Franken und übertraf die Analystenerwartungen damit leicht. Das Volumen der recycelten Bau- und Abbruchmaterialien sei um 20 Prozent auf mehr als zehn Millionen Tonnen gewachsen. An der Börse kletterten Holcim um 2,8 Prozent.

Für das laufende Jahr peilt der Konzern ein Umsatzwachstum in lokalen Währungen im mittleren einstelligen Prozentbereich und eine überproportionale Verbesserung des bereinigten operativen Ergebnisses an. Holcim plane Investorentage für Amrize am 25. März in New York City und für das restliche Geschäft am 28. März in Zürich.

(Bericht von Oliver Hirt, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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