USA streichen Zoll-Freigrenzen für Pakete – Preiseanstieg erwartet

Washington (Reuters) -Die USA schaffen die Zollfreigrenze für Paketsendungen mit einem Wert von unter 800 Dollar dauerhaft ab. Nach Aussagen von US-Regierungsvertretern müssen Postdienstleister ab Mitternacht (Ortszeit) für eine Übergangszeit von sechs Monaten je nach Herkunftsland eine Pauschalgebühr für Unternehmenssendungen zwischen 80 und 200 Dollar pro Paket zahlen. Nach Ablauf der Frist werde die US-Zollbehörde CBP auf alle weltweiten Paketeinfuhren die normalen Zollsätze erheben. Der Paketriese DHL hatte den Versand von Paketen von Geschäftskunden in die USA wegen der Regeln bereits vorübergehend eingestellt. Auch andere Logistiker aus Europa haben dies getan.

Laut dem Handelsberater des Weißen Hauses, Peter Navarro, wurde durch die neuen Regeln ein “Schlupfloch für tödliche Drogen” geschlossen, tausende amerikanische Leben würden so gerettet. Zudem werde die Maßnahme im Zuge der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump dem US-Finanzministerium Zolleinnahmen von bis zu zehn Milliarden Dollar pro Jahr einbringen. Ausnahmen auch für vertrauenswürdige Partnerländer werde es nicht geben. Handelsexperten befürchten jedoch höhere Kosten für die US-Verbraucher durch den Wegfall des Zoll-Schlupflochs.

Ein DHL-Sprecher sagte, der Konzern arbeite mit Hochdruck an einer Lösung, um Paketsendungen von Geschäftskunden in die USA künftig wieder möglich zu machen. Der Warenversand in die USA über DHL Express sei aber weiter möglich. Vom Versandstopp nicht betroffen seien Pakete von Privatpersonen an Privatpersonen mit einem Warenwert von bis zu 100 Dollar, die als Geschenk deklariert sind. Diese Sendungen würden jedoch künftig von den USA stärker kontrolliert. Der Versand von Dokumenten in Briefen sei ebenfalls weiterhin möglich. Die norwegische Posten Bring, die schwedisch-dänische PostNord und die belgische bpost hatten ihre Paketsendungen in die USA ebenfalls vorübergehend ausgesetzt.

Die sogenannte “de minimis”-Regel war 1938 eingeführt worden. 2015 war sie auf einen Wert von bis zu 800 Dollar ausgeweitet worden, um dem E-Commerce auf die Sprünge zu helfen. Vor allem chinesische Versender hatten ihre Paketsendungen an Verbraucher in die USA bereits nach der ersten Amtszeit Trumps ausgeweitet. Online-Händler wie Temu oder Shein hatte der direkte Versand an US-Kunden rasches Wachstum beschert. Nach Schätzungen der CBP gelangten 2024 etwa 1,36 Milliarden Pakete unter der Ausnahme-Regel in die USA.

(Bericht von David Lawder und Andrea Shalal, bearbeitet von Matthias Inverardi, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bittean unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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