Berlin (Reuters) – Der deutsche Inflationsrate ist im August wegen höherer Preise für Obst und andere Lebensmittel erstmals in diesem Jahr gestiegen.
Waren und Dienstleistungen verteuerten sich um durchschnittlich 2,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Das ist der erste Anstieg seit Dezember 2024. Im Juli und Juni lag die Teuerungsrate noch bei jeweils 2,0 Prozent. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Anstieg auf 2,1 Prozent gerechnet. Von Juli auf August legten die Verbraucherpreise um 0,1 Prozent zu.
“Die Inflation ist hartnäckiger als gedacht”, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Große Ausreißer nach oben erwarten die meisten Experten in den kommenden Monaten aber nicht. “Der relativ feste Euro-Außenwert dämpft die importierte Inflation”, sagte Ökonom Elmar Völker von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Hinzu kommt, dass wegen der von Präsident Donald Trump verhängten hohen US-Importzölle viele Waren nach Europa umgeleitet werden dürften – oftmals mit Preisabschlägen. “Alles in allem bleibt die Inflation eingefangen”, sagte der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, Alexander Krüger. “Dies auch deshalb, weil das Warenangebot durch die US-Marktabschottung größer geworden ist.”
Billiger wurde Energie: Sie kostete im August 2,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor (Juli: -3,4 Prozent). Dienstleistungen verteuerten sich im Schnitt erneut um 3,1 Prozent. “Hier spielen die Lohnzuwächse, die im historischen Vergleich weiter überdurchschnittlich ausfallen, eine wichtige Rolle”, sagte der Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, Cyrus de la Rubia. Nahrungsmittel kosteten 2,5 Prozent (Juli: +2,2) mehr.
ZINSPAUSE IM SEPTEMBER?
Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen etwa mussten die Verbraucher deutlich mehr für Bohnenkaffee (+24,4 Prozent) und Apfelsaft (+14,2 Prozent) bezahlen. Obst verteuerte sich um durchschnittlich 9,6 Prozent – darunter Erdbeeren, Himbeeren oder Stachelbeeren um 19,4 Prozent. Auch für Gemüse wurde oftmals mehr verlangt. Die Preise für Gurken zogen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 30,2 Prozent an, die für Tomaten um 26,9 Prozent.
Die Teuerungsrate ohne Nahrungsmittel und Energie, oft auch als Kerninflation bezeichnet, lag unverändert bei 2,7 Prozent. Das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) für den Währungsraum ist zwei Prozent. Die nach europäischen Standards berechnete deutsche Teuerungsrate liegt aktuell mit 2,1 Prozent knapp über dieser Zielmarke. Die Währungshüter haben wegen des insgesamt schwächeren Preisdrucks seit vergangenem Jahr achtmal ihren Leitzins gesenkt, im Juli aber eine Pause eingelegt. “Die deutsche Vorgabe zeigt der EZB, dass sie ihre Zinspause im September beibehalten kann”, sagte der Chefvolkswirt Krüger.
(Bericht von Rene Wagner; Redigiert von Hans Busemann; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)