Berlin (Reuters) – Die deutsche Wirtschaft reagiert entsetzt auf den russischen Angriff auf die Ukraine.
“Wir sind zutiefst erschüttert über den russischen Überfall auf die Ukraine”, sagte der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Oliver Hermes, am Donnerstag in Berlin. “Dies ist ein durch nichts zu rechtfertigender Angriff auf einen souveränen Staat, seine Bürgerinnen und Bürger und auf den Frieden in Europa und der Welt insgesamt.” Der Ausschuss forderte Präsident Wladimir Putin auf, die Kampfhandlungen unverzüglich einzustellen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Zugleich appellierte Hermes “an unsere vielen russischen Freunde und Partner: Erheben Sie Ihre Stimme und helfen Sie mit, diesen Krieg zu beenden”.
Der Maschinenbauverband VDMA unterstützt harte Sanktionen gegen Russland. “Der VDMA und seine Mitglieder sind fassungslos, dass Russland in Europa einen Krieg begonnen hat”, sagte Verbandspräsident Karl Haeusgen. Auch Russland habe sich in der Vergangenheit zur Unverletzlichkeit der europäischen Grenzen und zum Verzicht auf Gewaltanwendung vertraglich und völkerrechtlich verpflichtet. “Der VDMA unterstützt die Entscheidung, die Aggression hart zu sanktionieren.” Diese Sanktionen werden auch Auswirkungen auf den Maschinen- und Anlagenbau haben, deren Umfang aktuell nicht abgeschätzt werden könne.
Ähnlich äußerte sich der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA). “Der Angriff Russlands auf die Ukraine wird ohne Zweifel politische und wirtschaftliche Auswirkungen haben”, erklärte der Verband. “Wie stark die Auswirkungen des Konflikts sein werden und welche Wirtschaftszweige sie in welchem Maße treffen werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar.”
Der deutsch-russische Warenhandel summierte sich 2021 auf knapp 60 Milliarden Euro – ein Zuwachs von rund einem Drittel, in dem sich die zuletzt deutlich gestiegenen Energiepreise widerspiegeln. Die Summe entspricht einem Anteil von 2,3 Prozent am gesamten deutschen Warenaustausch mit anderen Ländern. Die Bedeutung Russlands für den deutschen Außenhandel ist damit im vergangenen Jahrzehnt gesunken: Im Rekordjahr 2012, das ebenfalls durch hohe Energiepreise geprägt war, hatte der Anteil noch 4,1 Prozent betragen. Aktuell belegt Russland Rang 13 der wichtigsten Handelspartner Deutschlands.