Berlin (Reuters) – Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen hat angesichts der ungewissen wirtschaftlichen Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine einen merklichen Dämpfer erhalten.
Das Beschäftigungsbarometer fiel im März um 2,2 auf 102,1 Punkte und damit auf den niedrigsten Wert seit zehn Monaten, wie das Münchner Ifo-Institut am Dienstag zu seiner monatlichen Firmenumfrage mitteilte. “Die gegenwärtig hohe Unsicherheit in der Wirtschaft durch den Angriff Russlands auf die Ukraine lässt die Unternehmen bei den Personalplanungen zurückhaltender werden”, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. “Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit zeichnet sich im Moment aber nicht ab.”
Die Arbeitsagenturen sehen das ähnlich. “Solange der Ukraine-Krieg nicht noch umfassender eskaliert, erwarten die Arbeitsagenturen, dass der Aufschwung am Arbeitsmarkt weitergeht”, sagte Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). In der monatlichen Umfrage des IAB bei den Ablegern der Bundesagentur für Arbeit (BA) verbesserten sich die Einschätzungen zur Entwicklung von Beschäftigung und Arbeitslosigkeit. “Etliche Betriebe sind durch Lieferengpässe, Exportausfälle und Energiepreissteigerungen betroffen”, sagte Weber. Kurzarbeit könne aber nötigenfalls vieles abfedern.
In der exportabhängigen Industrie ist der Ifo-Umfrage zufolge das Beschäftigungsbarometer im März merklich gesunken. Die Unternehmen wollen jedoch weiterhin Mitarbeiter einstellen, wenn auch weniger stark als zuletzt. Auch im Dienstleistungssektor hat der Indikator nachgegeben, verbleibt aber auf hohem Niveau. “Insbesondere das Gastgewerbe sucht verstärkt neue Mitarbeiter”, sagte Wohlrabe. Hier dürfte sich die Lockerung der Corona-Beschränkungen bemerkbar machen, von denen Hotels und Restaurants profitieren sollten. “Im Handel sowie im Baugewerbe besteht gegenwärtig eher Zurückhaltung mit Blick auf die Schaffung neuer Stellen”, so das Ifo-Institut.
Dessen Ökonomen rechnen in diesem Jahr mit einem kräftigen Anstieg der Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland. Sie soll um gut eine halbe Million auf knapp 45,5 Millionen steigen. Die Ifo-Forscher hatten kürzlich ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr gesenkt. Sie erwarten nur noch eine Zunahme zwischen 2,2 und 3,1 Prozent, nachdem sie zuvor noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 3,7 Prozent gerechnet hatten.